Wanderwoche „Die Partisanenrepublik im Ossolo Tal “
Wir, eine Gruppe von 12 wanderfreudigen Naturfreund*innen verbrachten vom 20. – 27.09.2026 eine von bestem Wetter begleitete Wanderwoche in den piemontesischen Alpen, um mehr über die Geschichte der Partisanen im Grenzgebiet zur Schweiz während des 2. Weltkriegs zu erfahren. Die Wanderleiterin Constanze Brucker konzipierte und organisierte die Wanderwoche in Kooperation mit Susanne Mayer einer deutsch-italienischen Kultur- und Bergführerin.
Wir suchten mehrere Gedenkorte des antifaschistischen Widerstands auf und erfuhren viel über die Motive der Widerständler. Beispielweise halfen sie Menschen, die aus anderen Landesteilen vor den Nazis flüchteten, um über die Grenze in die Schweiz zu kommen. Sie kämpften gegen die Faschisten, nachdem ein Friedensvertrag zwischen Italien und den Alliierten am 08.09.1943 geschlossen, Mussolini abgesetzt und inhaftiert wurde und die Alliierten südlich von Rom gelandet waren, um vom Norden aus Italien vom Faschismus zu befreien.
In Domodossola wurde am 10.09.1944 eine freie Republik ausgerufen, die eine eigene Administration nach dem Selbstverwaltungsprinzip errichtete. Die hier entstandene Verfassung bildete die Grundlage für die italienische Verfassung nach dem Krieg.
Der Übermacht der Faschisten konnte die freie Republik nur 40 Tage standhalten, denn die Nazis durchkämmten mit ihren Truppen die Berge im Valle Grande, brachten die Widerständler auf und richteten sie nach entwürdigenden Märschen durch die verschiedenen Orte hin. In der Casa della Resistenza und einer Gedenkstätte in Fondotoce und anderen Orten wird die Geschichte der Resistenza dargestellt und der vielen Opfer, der bei Massakern ums Leben gekommenen Frauen und Männer, gedacht.
Den Besuch der verschiedenen Erinnerungsstätten verbanden wir mit Wanderungen. In Domodossola besichtigten wir im Rathaus den Sitzungssaal, in dem die Republik gegründet wurde und der mit vielen Dokumenten an diese Zeit erinnert. Eine Führung durch diese beeindruckende Stadt und die sich anschließende Wanderung oberhalb des Tals führte uns nach Tappia zur Cantina Zaretti. Der Enkel des Partisanen Barbarossa hat die traditionellen, aus Stein errichteten Häuser der Familie in mühevoller Arbeit restauriert, neue Weinberge angelegt und betreibt mit seiner Familie eine Cantina, die uns einen Imbiss aus köstlichem Käse und Wein ermöglichte.
Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt mit der Centovallibahn, die Domodossola mit Locarno verbindet. In Re stiegen wir aus, besuchten die berühmte Wallfahrtskirche und wanderten über Vilette nach Malesco. Vilette ist bekannt für seine vielen Sonnenuhren, die wir während einer Führung verstehen lernten, zudem erfuhren wir, dass viele Maler aus dem Vigezzo-Tal kommen. Bei einem Stadtrundgang in Malesco war eine Erinnerungstafel für Romano, ein im Kugelhagel der Nazis getötetes 8-jähriges Kind, unser Ziel.
Am nächsten Tag beeindruckte uns eine Führung durch die Casa del Resistenza mit ihren Aufzeichnungen über die Aktivitäten der Partisanen und das Massaker an 43 Partisanen, das einer überlebte und darüber berichten konnte.
Die ersten 4 Nächte verbrachten wir im Hotel und Restaurant Piemonte de Sciolla in Domodossola, wo wir täglich mit einem mehrgängigen Abendessen und einem sehr abwechslungsreichen Frühstück bewirtet wurden. Am Donnerstag verlegten wir unserem Standort auf das Hochplateau der Alpe Devero. Eine mehrstündige Wanderung führte uns von Baceno über Goglio, wo wir eine stillgelegte Seilbahnstation besichtigten, die an die Ermordung von 4 Partisanen in einer Gondel erinnert, auf die Alpe. Wir überwanden ca. 1000 Höhenmeter.
Die drei folgenden Nächte verbrachten wir im Refugio CAI Enrico Castelglioni, mit rustikalem Charme. Die Alpe liegt auf 1650 m Höhe, von hohen Bergen umgeben. Die kalten Nächte wurde von sonnigen, warmen Tagen abgelöst.
Eine Wanderung führte uns über die Alpe Crampiolo, wo nachhaltiger, sanfter Tourismus betrieben wird und Milchprodukte hergestellt und vertrieben werden. Wir verkosteten Joghurt mit Heidelbeeren und kauften dort hergestellten Bergkäse u.a. ein Käse, der mit der nur dort vorkommenden Pflanze Bettelmatt aromatisiert wird, zum Lago Devero. Der Weg führte durch lichte Lärchenwälder, die bis ans Ufer des blau schimmernden Sees reichen, umrahmt von majestätischen Berggipfeln.
Ein Birkhuhn ließ sich in unmittelbarer Nähe beobachten und bald darauf hörten wir ein hohes Pfeifen, den Warnruf der Murmeltiere. Wir konnten sehen, dass sich die zwei schon viel Speck für den bevorstehenden Winter angefressen hatten. In der Abend- und Morgendämmung konnten wir vor der Hütte auch das Röhren der Hirsche in der Brunftzeit hören.
Am letzten Tag wanderten wir zum Lago Nero, der seinen Namen von dem schwarzen Gestein hat, das auf seinem Grund ruht. Der See wird nur von Schmelzwasser gespeist und ist fast ausgetrocknet, was durch die wärmeren Winter verursacht wird.
Nach dem Abendessen lobten die Teilnehmer*innen in geselliger Runde die attraktive, Wanderwoche. Sie war verbunden mit vielen Einblicken in das Leben der Widerstandskämpfer, in Einzelschicksale sowie religiöse Prägung der Bergbevölkerung und nicht zuletzt in die Rekultivierungsbemühungen in den steilen, felsigen Untergründen regionale Produkte zu erzeugen und der Bergregion eine neue Prägung mit sanftem Tourismus zu geben.
Am frühen Sonntagmorgen ging es zurück nach Hause. Der Nebel lag noch über dem Tal und die Sonne beleuchtete die Spitzen der die Alpe umgebenden Berge. Ein schönes Szenario, was den Abschied schwer machte.
September 2026, Ursula Peusch







