Bergfrühling im Leutaschtal
Eine Wanderwoche im Juni 2026 für Botanik-Interessierte, die gerne zum Fotografieren oder Pflanzenbestimmen stehen bleiben!
Das Leutaschtal ist ein 16 km langes Hochtal bei Seefeld in Tirol, umrahmt von den imposanten Gipfeln des Wetterstein- und Miemingergebirges, mit herrlichen Blumenwiesen, Mooren und Seen. Zum Erhalt der Artenvielfalt werden in der gesamten Region die Wiesen erst ab 1. Juli gemäht, manche nur einmal, höchstens zweimal im Jahr. Hier fanden die Bergfrühlingswochen des Sportvereins der NaturFreunde Hessen statt, geleitet von der Wanderleiterin Constanze Brucker.
Wir reisten alle mit der Bahn an, im Gästeticket der Region sind die Busfahrten in alle Nebentäler inbegriffen, so stand unsere Reise unter dem Motto von Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität, nicht zuletzt wollten wir uns an der Blumenvielfalt erfreuen! Am ersten Tag gings in die Geisterklamm, wo sich die Leutascher Ache durch die Felsen zwängt. Schon dort waren wir über die Artenvielfalt erstaunt, obwohl ja in einer Klamm nicht die besten Wachstumsbedingungen zu sein scheinen. Wir fanden die Waldrebe (Clematis Alpina), die Orchidee sowie Waldvöglein, Schwalbenwurz, Wiesenraute, Quirlständigen Weißwurz und vieles mehr.
Zur Schonung unserer Gelenke wanderten wir am nächsten Tag durch das Hochmoor Wildmoos mit seinen aperiodischen Seen, die durch das unterirdische Karstgebiet je nach Laune auftauchen und wieder verschwinden. Im Hochmoor fanden wir sogar den fleischfressenden Sonnentau, der ja durch die Zerstörung der Hochmoore fast ausgestorben ist. Besondere Formen uns bekannter Pflanzen wie Teufelskralle, Alpenbaldrian, 5-blättrige Einbeere wurden von uns identifiziert. Wunderbar: die Wiesen voller Trollblumen!
Der bekannte Leutascher Hansi Bandl führte uns am Mittwoch durch die Blütenwiesen, angereichert mit Geschichten zu Pflanzen und zum Leben im früher sehr armen Tiroler Tal. Die Zucht und der Verkauf von Goldhafersamen, einer qualitativ hochwertigen Alpengrassorte für Viehweiden, ernährte viele Familien, eine mühselige aber ertragreiche Beschäftigung. Am Feiertag Fronleichnam gab es in den Dörfern die traditionellen Prozessionen, wir aber fuhren an diesem sonnigen Tag mit der Gondel zum Seefelder Joch und wanderten auf die Seefelder Spitze. Endlich im Hochgebirge, konnten wir rundum auf die immer präsente Hohe Munde, das Karwendelgebirge, Wettersteingebirge und bis zur Zugspitze schauen. Verschiedene Enziansorten, winzige Frauenmantelpflanzen, Alpenbartschie, Alpenhahnenfuß, weiße Silberwurz, gestreifter Seidelbast und eine Harfinisten am Gipfelkreuz machten den Ausflug zu einem besonderen Erlebnis.
Am letzten Tag ging es ins Gaisbachtal, wir wanderten durch die Almen (noch ohne Vieh) zum ehemaligen Jagdhaus von Ganghofer, in dem er vor dem ersten Weltkrieg zahlreiche prominente Autoren empfing. Von hier zurück gings direkt ins Ganghofer-Museum. Der anwesende Museumsleiter, ein ehemaliger Bergretter führte uns durch die aktuelle Ausstellung zur Geschichte der Bergrettung. Unglaublich, mit welchen schweren und unhandlichen Hilfsmitteln früher Menschen aus Bergunfällen gerettet wurden.
Besonders war an dieser Woche die harmonische Gruppe, die trotz aller Unterschiedlichkeiten durch die gemeinsame Liebe zur Artenvielfalt jeden Tag erfreuliche Momente teilen konnte. Im nächsten Jahr wollen wir wieder gemeinsam aufbrechen, um dann Anfang Juli die Orchideenvielfalt im Leutasch zu genießen.
Juni 2026, Anja Kraus und Constanze Brucker
Fotos:
Foto 1 Weiße Silberwurz Gesa Schoop
Foto 2 5-blättrige Einbeere Gesa Schoop
Foto 3 Weißes Waldvöglein Anja Kraus


